Ein HÜNE von knapp zwei Metern, die Hände sind PRANKEN, die Oberarme oberschenkeldick. Wie könnte es auch anders sein. Der Mann ist SCHMIED und er bedient – schnell hingeschaut – jegliches KLISCHEE.

 
 

 

So, der erste Blick. Also SCHUBLADE AUF, MANN REIN, SCHUBLADE ZU. Das will aber so gar nicht klappen. Bald merkt man nämlich, dass die Schublade gewaltig klemmt. Oder dass der riesige Kerl einfach nicht hineinpassen will.

 

 

Hans Schweiger heißt der Schmied, der am Waldrand von Donnersbach den Hammer schwingt. Schmied war sein Vater auch schon. Sein Bruder ist es. Und sein Sohn Michael ebenfalls. In Donnersbach ist Hans allerdings der erste. Der erste IDEEN-SCHMIED. Mit Dreißig pachtete er dort die ehemalige Lodenwalke, baute sich sein EIGENES REICH aus Amboss, Kohle und Eisenstahl auf. Er hätte sich auch scheiden lassen können und nach Kanada auswandern, um dort schönes Geld zu verdienen, erzählt er keck, aber warum er seine Entscheidung dagegen nicht bereut, wird schnell klar.

 

Während der Kaffee die Filtermaschine hinuntertröpfelt, führt er durch das Haus. Kopf einziehen ist hier Chefsache. Es gleicht an Kunst, wie sich Hans durch die niedrigen Balken durchbiegt. Aber KUNST ist es noch viel mehr, was Hans Schweiger ERSCHAFFT. Verteilt in jegliche Ecken der Schmiede stehen, ganz unscheinbar, kleine MEISTERSTÜCKE: vom traditionellen Räucherpfandl über urige Kerzenständer bis hin zu filigranen Wandleuchten und aufwändig gearbeiteten Stiegengeländern.

 

 

Wer SCHLICHTHEIT sucht,
wird hier nicht fündig.

 

Die wuchtige Erscheinung entpuppt sich als ÄSTHET. Das Grobe, sagt er, macht er nur zum Geldverdienen.

 

Gut gehen tun seine KLÖPPEL. Die sind sozusagen Hans‘ Spezialität. Er tüftelte so lang an der idealen Ausfertigung aus niedrig legiertem Stahl, dass er sich in den letzten 20 Jahren damit bereits international einen Namen gemacht hat. Auf der Weltkarte, die etwas verwaist hinter dem Tisch mit URKUNDEN, gleich unter dem Regal mit sieben Lego-Technik Fahrzeugen (seinen alljährlichen Weihnachtsgeschenken) steht, hat er wohl einmal angefangen, die Orte zu markieren, an die er seine Klöppel bereits geliefert hat. Costa Rica ist da dabei, Japan und auch Indien. Aber irgendwann ging ihm wohl der Platz aus. Es sind mittlerweile über 3.600. Der größte wiegt 140 Kilogramm. Stattlich. „Bringt er selbst gleich viel auf die Waage?“, frag ich mich. Ich frage nicht.

 

 

Um halb 10 Uhr nächste Schublade. Kaffeepause. Jetzt kommen alle zusammen. Wir sitzen im schmalen Gang vor Hans‘ noch schmalerem Büro. So SPARTANISCH, so gemütlich ist es auch. Heute hat sich überdies sein ehemaliger Geselle Gregor angemeldet. Einer seiner besten, meint Hans. Doch er schwingt nicht mehr den Hammer, sondern den Schläger. Gregor hat sich für eine Golfkarriere entschieden und ist inzwischen Trainer in Thailand. Als er kommt, hat er ein Sackerl MOHNKRONEN in der Hand. Er kennt anscheinend noch den Hausbrauch. Hans schmeckt’s.

 

Während sich die Männer über die neueste Baustelle im Dorf unterhalten, steht plötzlich auch seine Frau Traudi in der Tür. Hans‘ „Andenken“ an seine Lehrzeit in Langenwang und gute Fee in Haus und Heim. Stolz zeigt sie uns Fotos ihres ersten Enkelkindes und ist gleichzeitig empört, dass die „Männer“ Gregor noch gar nicht von ihm erzählt hatten. Groß ist er schon mal für seine fünf Monate. Der nächste Schmied? Nein, nur die nächste (unpassende) Schublade.

 

 

Sein Sohn kommt ihm auf alle Fälle gut nach. Nur zwei fingerbreit kleiner als der Vater, arbeitet Michael nun seit vier Jahren ebenfalls in der Kunstschmiede mit. Gelernt hat er wo anders. „Zuhause ist das nicht so g’scheit“, meinte Hans und so machte Michael eine Lehre als Schlosser und besuchte dann einige Schmiedekurse ehe er zum ersten Mal ganz offiziell die Feuerstelle im heimischen Betrieb heiß machte. Inzwischen kann er stolz auf sein MEISTERPROJEKT blicken, ein riesiges Ziergitter, in dem er eine halbe Tonne Stahl feinst verarbeitete. Eine Schublade dafür müsste erst gebaut werden. Anders als in seinem alten Beruf als Schlosser, verarbeitet Michael nicht mehr das kalte Metall, sondern bearbeitet es bereits im heißen Zustand.

 

Heute formt er ein RÄUCHERPFANDL. Hans schaut ihm dabei zwar immer noch prüfend über die Schulter, aber Michael hat jeden der hundert bis tausend Schläge fest im Griff. Ist alles auch noch richtig genietet, hält das gute Stück ewig. Und wer weiß: Vielleicht darf zumindest das Pfandl von Räuchergang zu Räuchergang in die Schublade.

 

Danke, Hans.
Danke, Michael.

OFFEN SEIN.
MACHT SINN.

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