Von Corona, Moosnasen und bissigen Krrrrs.

Sigis Klammgeschichten

„Corona“ hat auch uns erwischt!

Gestern war Arbeitstag 4 in der Klamm, Wegmacher Sigi schildert dazu einige Erlebnisse.

Wie in jedem Frühling, war auch heuer wieder der „KLAMMPUTZ“ notwendig. Es war AUSNAHMEZEIT wegen dem gefährlichen Virus, körperliche Nähe mit anderen sollte vermieden werden. So dachte ich, ich geh einfach alleine hinein und mache meine Arbeit. Da dieses Stück Natur aber ein SEHNSUCHTSORT für viele ist, blieb ich nicht lange einsam.

Es waren einige einheimische Besucher hereinspaziert, die nicht mehr länger warten wollten, „ihrer“ Klamm die FRÜHJAHRSAUWARTUNG zu machen. Sie kamen einzeln oder in Grüppchen, manchmal auch mit „Wuffi“, der sich, mich misstrauisch musternd, an mir vorbeidrückte … knurr, knurr …

Auch ein Läufer kam des Weges, ich, zwei Meter entfernt vom Weg stehend, wurde nicht wahrgenommen – KABEL WUCHSEN AUS SEINEN OHREN. Gegen die störenden Naturgeräusche muss man sich tunlichst auch schützen. Das lästige, monotone Bachrauschen, der unangenehme Wind, der, die Bäume bewegend, unbekannte Geräusche erzeugt. Oder gar der Vogellärm bzw. das, was davon noch übrig ist. Also:

Knopf ins Ohr!

War der Weg gerade einmal zu schmal, und der 1-Meter-Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden konnte, versenkte ich mein Gesicht in die bergseitige Moosböschung. VORZÜGLICH DUFTENDE FRISCHLUFT erhielt ich durch den MOOSFILTER. Bei altem Moos kam es schon mal etwas modrig herein, aber da musste ich dann auch durch.

Zwischenzeitlich, während ich entspannt meiner Arbeit nachging, plötzlich ein Ton. Durch das bei den warmen Temperaturen angestiegene und lauter gewordene Bachwasser, konnte ich diesen nicht gleich zuordnen. Das Handy vielleicht? Aber da war nichts angekommen. Des Rätsels Lösung … DONALD WAR’S, DONALD T., der etwas eigensinnige Kolkrabe. Er hat es nicht gerne, wenn in seiner näheren Umgebung Lärm entsteht. Diesmal war ich es mit meinem Wegmacherwerkzeug. Besonders heikel ist er jetzt im Frühling, wenn der Familienzuwachs erwartet wird. Am oberen Ende der gelben Öfen befindet sich sein Nest. Donald war gerade mit Renovierungsarbeiten beschäftigt, damit die Jungvögel dann gut geschützt sind. Ich tat gerade unterhalb der Öfen – dort mussten größere Steine entfernt werden, was Krawall erzeugte – meine Arbeit. Da wurde es ihm zu bunt, in ziemlich niedriger Höhe überflog er mich. Genau über mir, schickte er EIN BISSIGES „KRRR“ ab. Nach kurzer Zeit drehte er, kam zurück. Wieder über mir, kurz hintereinander „Krrr Krrr“, was ich als „Hau ab“ verstanden habe.

Naja, ein ziemlicher Großschnabel ist er schon …

Gleich danach aber hat sich was bemerkenswert Versöhnliches zugetragen: Frieda, seine Partnerin, kam vom Nest heruntergeflogen, setzte sich auf einen Ast über mir. Sie, eine gesellige Dame, hat es gerne, WENN ABWECHSLUNG IN DIE SCHLUCHT KOMMT. Auch meine Tätigkeit findet sie nicht störend. Freundlich bat sie mich, ich möge Donalds Fehlverhalten von vorhin nicht so ernst nehmen. Er sei in Wahrheit ein treuer und verantwortungsvoller Lebenspartner. In den beiden Jahren ihres Kennenlernens, sei er behutsam und geduldig gewesen ihr Herz zu gewinnen. Wenn auch sein Charme dabei manchmal etwas hölzern daherkam. Auch jetzt, wo sie darauf beharrte, zu mir zu fliegen, dort etwas zu klären, sei er sofort bereit gewesen, während dieser Zeit das Nest zu beschützen. Er kann halt wohl auch nicht so leicht aus seiner Haut. Sie lächelte, winkte mir noch freundlich zu und flog zurück zum Ofen.

Das alles hat mir eine große Freude gemacht, und wirklich böse bin ich ihm ohnehin nicht. Ganz ungeschoren kommt er mir aber in einer der nächsten Geschichten auch nicht davon.

Es war schön erfahren zu haben, dass die beiden in so harmonischem Einklang zueinander leben. Oder hat Frieda bei ihrer Schilderung vielleicht doch ein wenig in den TOPF DER DIPLOMATIE gegriffen, der bei Damen immer so gut gefüllt ist … wie auch immer, für mich war es eine erfrischende Begebenheit.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass unsere Klamm auch in nicht so schönen Zeiten ein Garant ist, REICHLICH RUHE UND GELASSENHEIT in ihr zu finden.

 

Herzlich, Euer Sigi Leitner

DIE GESCHICHTE IM PODCAST ANHÖREN …