Gunnar, der "Skandinavier"

Sigis Klammgeschichten

Gunnar, der „Skandinavier“

Wir Eichkatzerln haben einen neuen Waldmeister!

Nachdem unser ehrenwerter Anführer Leopold, der eine große Lücke in der Gemeinde hinterlassen hat, nicht mehr ist, war es erforderlich, uns auf einen NEUEN „WALDMEISTER“ zu einigen.

Natürlich machen sich die Hauptverantwortlichen der Gemeinschaft schon vorher über eine dafür infrage kommende Person Gedanken, welche, dann wenn der Zeitpunkt da ist, in großer Runde diese Verantwortung übertragen bekommt.

Mehrheitlich waren es diesmal unsere Frauen, die sich sehr schnell einig waren …

Gunnar, der Skandinavier soll es sein.

Als großgewachsener Kerl mit hellerem Haar und gutem Benehmen – ein echter Skandinavier halt – war er natürlich erste Wahl.

WARUM GUNNAR, WARUM SKANDINAVIER … dazu eine kurze Erklärung.

Vor einigen Jahren gab es im ENNSTAL einen verheerenden Sturm. Auch der Wald in ALT-IRDNING ist davon nicht verschont geblieben. Große Waldstücke wurden verwüstet, eine EICHHÖRNCHEN-FAMILIE verlor daraufhin ihre Heimat. Sie war unbewohnbar geworden, die Familie musste gehen.

Als „FLÜCHTLINGE“ machten sie sich auf nach SÜDEN, ins Donnersbachtal. Immer in der Nähe des Baches bleibend, führte sie ihr Weg in unser REFUGIUM. Müde und hungrig kamen sie bei Einbruch der Dunkelheit in unserer Klamm an. Für uns „EINHEIMISCHE“ war das zunächst eine ungewohnte Situation … eine fremde Gruppe … was will sie hier? Natürlich waren wir gastfreundlich, gaben ihnen zu essen und zu trinken. Baten sie auch über Nacht zu bleiben. Nachdem alle „satt und trocken“ waren, erzählten sie von ihrem UNGLÜCK. Eine Schilderung, die alle sehr betroffen machte, unseren Kindern kullerten Tränen über die Wangen. Sehr schnell waren wir uns darin einig, dass sie, trotz anderer Herkunft nicht anders waren als wir. Und ebenso dachten auch sie.

Unser Angebot, nicht nur heute sondern vielleicht für immer zu bleiben, nahmen sie schnell und dankbar an.

Wenn wir heute zurückschauen sind wir STOLZ UND GLÜCKLICH dass wir damals nicht abweisend, sondern HILFSBEREIT UND MENSCHLICH/EICHHÖRNCHENDLICH gehandelt haben. Alle „Alt-Irdninger“ sind inzwischen Donnersbacher und umgekehrt ist es auch so. Sie haben uns nichts genommen. Im Gegenteil, ihr Kommen und Bleiben hat unser Dasein sehr bereichert. Durch viele Gespräche mit den Neuankömmlingen konnten wir erfahren, dass die Bewohner anderer Landstriche die gleichen LEBENSZIELE wie wir haben und diese guten Willens anstreben.

Unser Blick nach „draußen“ ist dadurch viel offener geworden.

Ja, und Skandinavier heißen sie bei uns deshalb, weil Alt-Irdning halt im NORDEN von hier liegt und Gunnar ein so schön klingender nordischer Name ist.

Diese Begebenheit erinnert mich, WEGMACHER SIGI, an eine länger zurückliegende Lebenszeit von mir. Mit neun Jahren, nachdem ich kurz vorher meine Eltern verloren hatte, kam ich im laufenden Schuljahr zu meiner Taufpaten-Familie nach LANTSCHERN. Das größte Kopfzerbrechen dort machte mir die fremde Schule. Wie werden mich alle anschauen, wenn ich durch die Tür gehe. Es ergab sich, dass ich noch vor dem ersten Schultag die WOLF ROSERL und den BERGER HERMANN, die später auch meine Schulkameraden waren, beim Spielen traf. Schnell haben mich die beiden als einen der Ihren in die Mitte genommen … UND WEG WAR MEINE SCHULANGST.

In dankbarer Erinnerung bleibt dieser Moment unvergesslich!

 

Viel Glück Gunnar, sei uns ein guter „Waldmeister“.
Wir stehen hinter Dir.

 

Deine Klamm-Gemeinde

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