WUNIBALD GÜRTLER IST EIN AUSSERGEWÖHNLICHER MENSCH. NEUGIERIG UND UMTRIEBIG GENAUSO WIE BODENSTÄNDIG UND TRADITIONSVERBUNDEN.

 

Als TREIBENDE KRAFT in der Entwicklung seines Heimatdorfes Donnersbachwald hat er DIE ERSTEN SKILIFTE gebaut und das Skigebiet Riesneralm in seinen Anfängen mitentwickelt. Das LEBENSWERK des heute 82-Jährigen, den Stegerhof, führt seine TOCHTER ALEXANDRA weiter. Sie weiß Geschichten zu erzählen von Lokomotiv-Liften, Schnapsbestechungen und einem Rückzugsort inmitten chaotischer Zeiten.

 
 

 

ALEXANDRA, DEIN VATER WAR EIN PIONIER UND HAT DEN TOURISMUS IM ORT STARK MITGEFORMT. WIE HAT ER DICH GEPRÄGT?

Ich bin mit dem Geist meines Vaters aufgewachsen, mit all seinen IDEEN. Er ist ein ungemein liebevoller, positiver Mensch und das war auch stets sein Antrieb: mutig und offen sein, mit GUTEN, NACHHALTIGEN IDEEN vorangehen – und dann ziehen die anderen schon mit. Ich denke, dieser Geist ist tief in mir verankert.

 

 

UND DU BIST WAHRSCHEINLICH MIT SKIERN AN DEN FÜSSEN AUF DIE WELT GEKOMMEN?

Fast. Ein paar Jahre sind schon vergangen. Aber als ich meine Skier noch nicht alleine anziehen konnte, hat sie mir meine Mama zu Hause angeschnallt, ich bin über die Straße zu dem kleinen Lift getappt und kam zum Liftschluss mitsamt Skiern wieder zurück. Meine Mama hat tatsächlich am Anfang der Saison den Liftwart mit einer Flasche Schnaps bestochen, dass er auf uns aufpasst. Mit SCHNAPS braucht man heute bei der SKISCHULE nicht aufmarschieren. Aber wenn du die Kinder heute beobachtest, siehst du immer noch, wie viele sich vollkommen im Skifahren verlieren. Sie würden am liebsten auch den ganzen Tag die Skier dran lassen.

 

 

IN DEINER KINDHEIT, IN DEN 70ER JAHREN, GAB ES DIE RIESNERALM BEREITS. DEIN VATER HAT JEDOCH SCHON IN DEN 50ERN BEGONNEN, LIFTE IM TAL ZU BAUEN?

Zu uns ins Gasthaus kamen in den 30er Jahren die ERSTEN GÄSTE über Nacht. Das waren SKITOURENGEHER. Mein Papa wollte unbedingt einen Lift bauen. Ihm war klar, dass das die Zukunft ist und wir nur so als Tourismusort überleben können. 1958 hat er aus einer alten LOKOMOTIVE einen Warchalowski-Motor ausgebaut und daraus einen SEILLIFT mit Stangen gebastelt. Der lag jedoch am Südhang, wo der Schnee nicht so gut war. Als nächstes war der Gegenhang dran, aber da war der Lehmboden schlecht zu bebauen. 1973 haben sie dann zu dritt das SKIGEBIET RIESNERALM entwickelt. Aber das lief auch nicht so glatt …

 

WAS IST PASSIERT?

Die Sessel haben die Kurve nicht gekriegt – sie liefen an der Bergstation nicht die Runde und die Eröffnung musste verschoben werden. Und das Restaurant war auch nicht fertig. So hat meine Mama in der Pistengerätgarage Bierbänke aufgestellt und da Wurstsemmeln und Schnapstee verkauft. PAPA hatte die IDEEN, MAMA war die UMSETZERIN.

 

DER STEGERHOF IST EIN KINDERHOTEL, DONNERSBACHWALD EIN FAMILIENORT. WAR DAS DAMALS ALLES SO GEPLANT?

Sicher nicht. So voraus geplant hat mein Vater das nicht. Es war immer eine Gefühlssache und so ist das alles sehr natürlich gewachsen. KINDER bringen immer LEBEN in einen Ort und wir Einheimische sind ja auch Familienmenschen. Vielleicht fühlt es sich deshalb so richtig an. Es PASST EINFACH und ALLE MACHEN MIT: das Skigebiet, die Almen, die Skischule. Ein wenig haben wir uns hier eine EIGENE WELT GESCHAFFEN, geradezu konträr zu dem hektischen Treiben, das dort draußen herrscht. Gerade IM KLEINEN – und mit den Kleinen – hat man die Chance, DINGE ANDERS zu gestalten.

 

 

IST DAS AUCH DAS, WAS DIE GÄSTE SUCHEN UND GENIESSEN?

Ja! Ihr Leben ist oft von so viel Unruhe geprägt. Bei uns haben sie plötzlich Zeit. Es ist so schön zu sehen, wie sie RUNTERKOMMEN, wie sie tatsächlich wieder miteinander als FAMILIE Zeit verbringen, sich ZEIT nehmen können und die Kinder einfach Kind sein dürfen. Das ist manchmal richtig EMOTIONAL anzusehen. Ich finde es wunderschön und wahnsinnig BERUHIGEND, dass wir Menschen im Grunde nicht viel brauchen und dass es der große GENUSS ist, DIE NATUR UND EINANDER zu haben.

 

WIRST DU DEN WEG DEINES VATERS WEITERGEHEN?

Jeder Mensch ist eine EINZIGARTIGE PERSÖNLICHKEIT und jede Generation hat ihren EIGENEN WEG. Trotzdem ist es für mich eine ganz große HERZENSENTSCHEIDUNG, das Lebenswerk meines Vaters WEITERFÜHREN. Er war ein Vordenker, der immer eine nachhaltige VERÄNDERUNG gesucht hat. Keine radikalen Umbrüche, sondern immer mit der Natur und mit den Menschen. Das ist der richtige Weg. Für mich gibt es keinen anderen.

 

Danke, Alexandra.
Danke, Wunibald.

SICH DIE WELT FORMEN.
MACHT SINN.

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