Dezember in Donnersbachwald. Das kleine, beschauliche Bergdorf markiert schon fast das Ende des Donnersbachtals. Auf der Erde liegt er noch nicht, der Schnee, in der Luft allerdings sehr wohl. Gerhard erinnert sich an den Winter vor sechs Jahren, als Hans ihm den Schlüssel für seinen neuen GEFÄHRTEN in die Hand drückte. Er mag heute eine Sorgenfalte mehr als damals haben, aber dafür auch eine neue Leidenschaft. Nicht mehr nur im Sommer formt er als Landschaftsgärtner die Natur.

 
 

 

Nun ist er, der 43-jährige Donnersbachwalder – mit Schuhgröße 47! – auch im Winter SPURENLEGER. Damit lebt der junge Opa zwar nur im sprichwörtlichen Sinn auf großem Fuß, doch er hinterlässt tagtäglich seine Spuren IM ORT. Dank ihm hat das 300-Seelendörfchen seine ZWEI LANGLAUFLOIPEN, Hinterwald und Vorderwald.

 

 

Jetzt ist es wieder an der Zeit, das knorrige Tor zur Werkstatt zu öffnen. Die Sonnenstrahlen fallen auf das Loipengerät. Der Südwind befreit den Kühlergrill vom Staub. Gerhard hält einen Moment inne und betrachtet das Gefährt, mit dem er bald wieder RUNDE UM RUNDE ziehen wird. Er, mit Blick voran und hinter ihm die perfekt PRÄPARIERTE LOIPE, auf der bald die Langlaufskier gleiten werden. Gerhard dreht den Schlüssel, vernimmt das wohlvertraute Brummen des Motors und lockert seine Gesichtszüge. Zufriedenheit macht sich breit. Aber eigentlich wusste er es ohnehin. Sein Loipengerät ist stark und zuverlässig. Rundum wird es dunkel und still. Hinter dem verschlossenen Tor ist ein leises Klimpern zu hören. Morgen sind die 180 PS endgültig winterfit.

 

SPURENLEGER
SPURENLESER

 

Der SCHNEE hat sich breit gemacht und sattes Weiß über die Wiesen gelegt. Die Sonne dämmert noch nicht einmal, da sitzt Gerhard schon beim extra frühen Frühstück. Langsam mischen sich die ersten Stalllichter unter die leuchtenden Sterne. Entlang der Hänge der Riesneralm sind auch schon die Kollegen auf ihren Pistenraupen unterwegs, als Gerhard mit seiner Arbeit beginnt. Hinein Richtung Hinterwald, am Reschenboden eine lange Kurve ziehend, bricht der Tag an. Schon ein kurzer Blick in den Rückspiegel und Gerhard weiß, wie es heute um die LAUNE DES SCHNEES bestellt ist. Er ist schließlich nicht nur SPURENLEGER, sondern auch SPURENLESER.

 

 

Früh von der Raupe wachgeschüttelt und durchwalzt, scheint der Schnee an diesem Tag nichts von seiner Lockerheit eingebüßt zu haben. An manchen Tagen fallen die Flocken wild, an anderen wiederum schwermütig. Manchmal ist der Boden grieselig aufgewühlt, manchmal knistert er kompakt. Doch Gerhard ist flexibel. Er bereitet seine Loipen auch mehrmals täglich auf, wenn es der Wettergott verlangt. Und dabei versteht er sich auf MILLIMETERARBEIT, weiß darum, den Druck ideal anzupassen, einmal feinfühliger und einmal kräftiger zu planieren. Er kennt das Gelände. Jede Neigung ist anders zu präparieren, jeder Baum hat seinen Einfluss auf den Untergrund.

 

Gerhard selbst fühlt sich Runde für Runde wohl als HERR DER LOIPEN von Donnersbachwald. An einem seiner persönlichen Lieblingsplätze, hinter der schönen Holzbrücke, dort wo der Talkessel plötzlich ganz schmal wird, steigt er auch immer wieder gern aus seinem Loipengerät. Seine Mundwinkel folgen seinem Blick nach oben. Kein Wunder. Er hat das morgendliche Glitzern des Schnees eingeatmet. Aus dem großen Mann blinzelt TIEFE ZUFRIEDENHEIT. Er ist dankbar für diesen Augenblick. Ein Augenblick ganz für sich selbst.

 

ZUFRIEDENHEIT

 

 

Dann steigt er wieder ein und fährt weiter Richtung Vorderwald. Um neun Uhr sollen schließlich alle Loipen fertig sein. UND DAS WERDEN SIE AUCH.

 

Danke, Gerhard.

SPUREN LEGEN.
MACHT SINN.

4.8 (96.34%) 71 votes
Share

Leave a comment